Neutrale Zigarettenschachteln: Bevormundend und Ungesund

Bis Anfang 2017 müssen Zigarettenschachteln in Frankreich das Format der neutralen Zigarettenschachtel annehmen. Die Regierung will über diesen Weg besonders den Konsum von Teenagern, die “durch die farbigen Schachteln angezogen werden”, reduzieren. Es gibt verschiedene Arten auf diesen Gesetzentschluss zu reagieren, aber die Schlussfolgerung ist immer dass man Raucher wie auch Nicht-Raucher für… naja für was man sie hält könnt ihr selbst entscheiden.

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Im alltäglichen politischen Gespräch kommt Australien, bis auf Kangaroo-Clips am Ende der Tagesnachrichten, eher selten vor. In dieser Diskussion jedoch ist Australien zum Aushängeschild eines “vorbildlichen Umganges” mit Tabakkonsum geworden: teure Zigaretten, streng reguliertes Rauchen in der Öffentlichkeit, neutrale Zigarettenschachtel seit Dezember 2012.

Eine Studie die Erkenntnisse aufzeigt die wir bereits kannten

In der Wirtschaftsabteilung der Universität Zürich wurde eine Studie durchgeführt die klar beweist dass neutrale Zigarettenschachteln bei Teenagern zwischen 14 und 17 Jahren keinen Effekt auf den Konsum haben. So heißt es:

DE “Alles in allem haben wir ziemlich großzügige Inferenz-Techniken angewandt, was bedeutet, wenn überhaupt, dass unsere Analyse in Richtung eines negativen Effekts auf den Konsum bei 14 bis 17-jährigen Australiern voreingenommen wäre. Trotz allem haben wir dafür keine Anzeichen gefunden. Konservativere statistische Inferenz-Methoden würden diese Schlussfolgerung untermauern.”

EN “Altogether, we have applied quite liberal inference techniques, that is, our analysis, if anything, is slightly biased in favor of finding a statistically significant (negative) effect of plain packaging on smoking prevalence of Australians aged 14 to 17 years. Nevertheless, no such evidence has been discovered. More conservative statistical inference methods would only reinforce this conclusion.” [1]

Wenn es wiederum um Erwachsene geht, so muss man sich bewusst werden dass man heutztage non-stop von Werbung bombardiert wird, und dass man auf lange Sicht eine gewisse Neutralität dazu entwickelt. Das zeigt sich darin dass Werbeagenturen immer kreativer werden müssen, um unsere stumpfe Aufmerksamkeit zu erhaschen. Von morgens bis abends wird uns im Fernsehen, Radio, der Zeitung, via Werbung im Briefkasten, Facebook, Straßenwerbung, an der Bushaltestelle, im Bus, im Zug, in der U-Bahn usw. erklärt warum wir dieses oder jenes Produkt kaufen sollen, doch französische Politiker glauben dass es für Tabak ausreicht hinter der Theke farbig vor sich hin zu liegen um Erfolg zu haben (wobei die Hälfte der Schachtel in Frankreich bereits aus Warnhinweisen und Schockbildern besteht). Jemand muss das Coca-Cola erklären, es scheint zu reichen die Produkte nur hinter der Theke aufzureihen.

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Wenn Politiker davon ausgehen dass Individuen der Versuchung die durch farbige Schachteln ausgelöst wird, nicht wiederstehen können, dann bedeutet das nichts anderes als dass sie Bürger bevormunden und verkindlichen. Es ist die Arroganz Menschen ein Verhalten vorzuschreiben: Was man essen, trinken oder wie man sein Geld ausgeben soll. Nach dem Ende des Einflusses von Religion auf den Staat, ist der Nanny-Staat nun zurück, bevormundend wie eh und je.

Geschäftsfreiheit und Schwarzmarkt

Einem Unternehmen die Vermarktungstrategie vorzuschreiben geht gegen die Geschäftsfreiheit, besonders da es in den meisten Ländern die einzige Marketingtechnik ist die noch verwendet werden darf. Man muss sich klar vor Augen führen dass die Tabakindustrie in Frankreich über 75% jeder verkauften Einheit an den Staat abgibt, jedwegliche Werbung verboten ist und der Konsum in Bushaltestellen, Bars und Nachtclubs untersagt ist. In Zukunft werden verschreibungspflichtige Medikamente weitaus größere Marketing-Vorteile haben als Tabak, und das obwohl sie tausende Tote im Jahr fordern.

Man konnte auch bereits erahnen dass die neutrale Zigarettenschachtel den Schwarzmarkt antreiben wird. Und in der Tat ist unser Musterbeispiel Australien zwischen Mitte 2011 und Mitte 2013 einer Steigerung von Zigarettenfälschungen von insgesamt 60% augesetzt (Quelle). Gleiche Situation in Großbritannien, wo Zigarettenfälscher sich besonders über die neue Regelung freuen: Man geht davon aus dass solche Fälschungen einen Profit von 45 Million Pfund (~56 Millionen Euro) im Jahr einfahren. Diese gefälschten Produkte sind mit großen Risiken verbunden:

DE “Eine unabhängige Laboranalyse die für The Sun durchgeführt wurde fand dabei heraus dass seine [die Zigaretten die sie von einem Fälscher erworben hatten] Insektenkot, Eier, Haut, Milben, “unbekanntes organisches Material” und einen Stein beinhalteten.”

EN “Independent lab analysis carried out for The Sun later revealed one pack of
his [the dealer they got the product from] cigs contained insect droppings, eggs, skin, mites, “unknown organic
matter” and a stone.”

Was kommt als nächstes dran?

Students for Liberty konfrontiert das Konzept der neutralen Zigarettenschachtel mit der #NoNanny Kampagne: Eine neutrale Schokoladenverpackung mit dem Warnhinweis “Schokolade schädigt ihrer Gesundheit” stellt die legitime Frage was als nächstes drankommt. In Frankreich sieht man dass solbald der Staat einen Freipass für das Einmischen in Verhalten von Individuen bekommt, er dazu tendiert sich immer wieder neue Einschränkungen einfallen zu lassen. Bereits jetzt muss jede Werbung für Getränke oder Essen im Radio, Fernsehen oder in der Zeitung einen zwei-sätzigen Warnhinweis beinhalten. Die Logik des Nanny-Staates wird dort nicht aufhalten.

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Der Mensch ist als Individuum verantwortlich und frei, und man sollte ihn als solchen ansehen.

Schlussendlich könnt ihr dann noch immer selbst entscheiden vofür man euch hält wenn solche Gesetze aufkommen. Ihr entschuldigt mich jetzt, ich hab noch Schokolade übrig…


[1] Übersetzung von mir selbst.

Dieser Artikel ist eine Übersetzung meines Artikels Paquet neutre: moralisateur et dangeureux pour la santé aus dem Französischen.

Pictures are Creative Commons and are linked to their authors.

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