Wer sich die Ohren zuhält, hat die Hände nicht mehr frei

Dieser Artikel ist eine Reaktion auf den Forum-Beitrag von Françoise Brück im Tageblatt 27/05/2013 und 28/05/2013

Françoise Brück bemängeld in ihrem Forum-Beitrag den Bezug zur Realität der Elternvertretung FAPEL sowie des Aktionskomitees der Schülervertretung und wirft ihnen Vereinfachung und Nichtkenntnis der Stellungnahme der DNL vor. Der Titel „die Leichtigkeit des Seins“, als Anspielung auf das Werk von Milan Kundera, drückt selbst genügend Kritik aus, auch wenn der Vergleich mir kaum gerechtfertigt scheint.

Man verstehe mich nicht falsch, meine Absicht ist nicht der DNL die selben Vorwürfe zu machen die man uns macht, das ist nicht Ziel der Debatte und bringt uns nicht weiter in unserer Arbeit. Nur in dem Augenblick in dem Frau Brück unsere Representativität anzweifelt, sollte manch ein Lehrer sich an die Informatiounsversammlung im Jahre 2011 erinnern in der die Bildungsministerin ähnliches tat (mit absehbaren Reaktionen). Wendet die DNL nun die selbe Methode an als das Ministerium um gegenteilige Meinungen zu widerlegen oder ist es lediglich die persönliche Stellungnahme von Frau Brück?

Niemand der Gesprächspartner hat die Lehrervertretung als die „Bösen“ in der Bildungsdebatte dargestellt, noch wäre es akkurat es zu tun. Diese Debatte ist ein Spagat das alle Seiten vollführen müssen ohne sich dabei abgrenzen zu wollen. Als Schülervertretung hat das Aktionskomitte „Reform 20/11“ zusammen mit der FAPEL vor kurzer Zeit nochmals Stellung genommen, und unterstrichen dass positive Aspekte des Reformvorschlages nicht in einer allgemeinen Rhetorik von Reformgegnern untergehen sollten. Françoise Brück meint dadurch hätten beide Partner „befürwortert dass alles anders wird“, ich kann diese Schlussfolgerung leider nicht nachvollziehen.

Im Forum-Beitrag wurden sehr viele richtige und wichtige Aussagen gemacht, des Weiteren kann ich mich persönlich auch mit vielen Stellnahmen und Vorschlägen der DNL identifizieren, und das ist auch Ziel des Reflexionsprozesses. Die Schule muss den Schüler in den Mittelpunkt stellen und alle Anstrengungen die gemacht werden müssen im Interesse des Schülers stattfinden. Schüler, Eltern, Lehrer, Direktoren und das Ministerium müssen dafür am selben Strang ziehen um das was entschieden wird auch umsetzen zu können. Dass aber genau das nicht immer im Interesse der Vertretungen sein wird ist verständlich, trotzdem bin ich bei den Verteidigern des Ministeriums an einer der letzten Stellen. Die Reform jedoch ist kein Selbstzweck und demnach nicht die letzte die stattfinden soll und wird. Man unterscheide hier klar zwischen Struktur und Inhalt.

Abschließend noch folgendes:

Die DNL-Vertreterin kritisiert den Vorschlag zur freien Wahl der Unterrichtssprache durch mangelnde Umsetzbarkeit, da Direktoren auf den Assisen es so dargelegt hätten. Allerdings waren das lediglich zwei Direktoren von über dreißig, des Weiteren hat niemand der FAPEL-Vertreter behauptet es wäre ihm „egal“ dass es nicht möglich wäre. Ich bin mir da so sicher da ich selbst als Schülervertreter an den Assisen teilgenommen habe und die Diskussionen aufmerksam verfolgt habe. Man könnte die genauen Aussagen natürlich aufarbeiten wenn diese Veranstaltung auf transparente Art und Weise aufgezeichnet worden oder während den Diskussionen für die Presse zugänglich gewesen wäre, die DNL hatte sich allerdings geweigert das zuzulassen. Warum eigentlich?

Inhaltlich wird hier nicht viel gesagt, Françoise Brück unterstellt den Eltern man wolle den schulische Weg der Kindern lediglich vereinfachen und führt als Gegenargument Berufe wie Richter, Anwalt und Arzt auf (seltsamerweise Berufsklassen die dem Enseignement classique zugeschrieben werden…). Wer die linguistische Priorität ausschließlich auf die Vorherrschaft der jeweiligen Sprache im jetzigen und zukünftigen aktiven Arbeitsbereich setzt, der müsste im jetzigen Augenblick für Englisch als Unterrichtssprache optieren. Das ist die Realität des in Luxemburg vorherrschenden Finanzsektors. Doch ist unsere Schule nicht eine Schule für jeden?

Wer Vereinfachung der schulischen Laufbahn als Annahme für die Stellungnahme nimmt, kennt die Inhalte nicht oder wollte einfach nicht zuhören. Ausdauerndes Lesen ist nicht jedermanns Sache, wohl wahr, ausdauerndes Zuhören auch nicht. Sprichwörter werden tradiert, weil sie Wahrheiten enthalten, nunWer sich die Ohren zuhält, hat die Hände nicht mehr frei“ Frau Brück.


Dieser Artikel wurde am 04/06/2013 im Tageblatt veröffentlicht.

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